Die Alpen werden in vier Faziesbereiche unterteilt: Helvetikum,
Penninikum, Ostalpin und Südalpin. Nach Abschluß der Orogenese entstand ein weiterer
Faziesbereich auf dem nördlichen und südlichen Kontinentalrand, das tertiäre
Molassebecken.
Die vier Faziesbereiche haben jeweils typische Kennzeichen welche sie von den anderen
unterscheiden. Das Helvetikum, das Penninikum und das Ostalpin weisen starke
Deckentransporte nach Norden auf, während das Südalpin verschuppt und gefaltet ist. Die
Grenze zwischen dem Südalpin und den anderen Faziesbereichen stellt die Periadriatische
Naht dar, welche die längste Verwerfung der Alpen darstellt. Bei Punkt 2 gehen wir
genauer auf die verschiedenen Fazies ein.
Die Alpen wurden gebildet als sich die Adriatische Platte über die Eurasische Platte
schob. Das Ost- und Südalpin bilden den ehemaligen Kontinentalrand der Adriatischen
Platte, Helvetikum und Penninikum das eurasische Gegenstück.
Nach Aufreißen des südpenninischen Ozeans im Jura werden das Ost- und das Südalpin zum
passiven Kontinentalrand der Adriatischen Platte. In der Unterkreide wird dieser zu einem
aktiven Kontinentalrand und es kommt zur ersten Subduktion des südpenninischen Ozean.
Dies hat erste orogene Geschehnisse zur Folge. In der Oberkreide kollidieren Adriatische
Platte und außen vorgelagerte Teile der Eurasischen Platte. Dies wird als vorgosauische
Deckenbewegung im Ostalpin bezeichnet (altalpididsche Orogenese).
Zwischen höherer Kreide und mittlerem Eozän kommt es zu einem Stillstand der Orogenese.
Ab dem oberen Eozän überfahren dann das Ost- und Südalpin die Eurasische Platte
(jungalpidische Orogenese).
Im Trias befand sich der Helvetische Raum noch innerhalb des
Großkontinents Pangäa und weist deshalb germanische Fazies auf. Im Obertrias treten
basaltische Magmatite auf (Dauphiné-Zone), welche auf den beginnenden Zerfall Pangäas
zurückzuführen sind.
Im Jura wirkte sich der penninische Ozean auf die südlichen Bereiche des Helvetikums aus.
Die nördlichen Bereiche blieben davon unangetastet. Dementsprechend finden sich in Jura
und Kreide lückenhafte neritische weiter nördlich vollständigere bathyale
Schichtfolgen.
Für die Mittelkreide sind im Norden glaukonitführende, dunkle und kalkig-sandige
Sedimente kennzeichnend. In der Oberkreide herrschen pelagische und mergelige Sedimente,
die während der Transgression abgelagert wurden. Währen der Regression wurden sie dann
zum Teil wieder abgetragen. Im Eozän kam es zu einer erneuten Transgression, welche zum
Teil Flyschbildung zur Folge hatte, die im Unteroligozän endete, als die Deckenbewegung
in diesem Raum einsetzte.
Das Penninikum baut hauptsächlich die inneren Bereiche der Westalpen
auf. In den Ostalpen erscheint es in tektonischen Fenstern unter den ostalpinen Decken. Es
wird unterteilt in Süd-, Mittel-, Nord- und Tiefpenninikum.
Im Südpenninikum finden sich Reste des südpenninischen Ozeans, das Mittelpenninikum
stellt eine kontinentale Hochzone dar und das Nordpenninikum einen tieferen
Sedimentationsraum. Im Trias reichte der Einfluß der Tethys bis an das Mittelpenninikum.
Folglich gibt es dort eine ähnliche Fazies wie in den Ostalpen. Das Nordpenninikum weist
germanische Trias auf.
Im Jura und der Unterkreide kam es in den neuentstandenen nord- und südpenninischen
Tiefen zur Ablagerung von einförmigem, kalkigem, pelitischem Bünder
Schiefer", während der Transgression im Südpenninikum auch von Radiolariten. Das
Mittelpenninikum weist für diese Zeit submarine Brekkzien auf. In der Oberkreide sank das
Mittelpenninikum zu einer Tiefseeschwelle ab, in der sich rote Foraminiferenmergel und
-kalke ablagerten, welche ab dem Paläozän von Flysch überdeckt werden. Der Flysch
setzte in den anderen Gebieten als Folge von Subduktion schon während der mittleren
Kreide ein. Die Sedimentation des Flysch hörte auf, als die ostalpinen Decken des
Penninikums im Eozän vollends überschoben waren.
In der Trias (Skyth) wurden Teile des Ostalpins von marin beeinflußten
bunten Sandsteinen und Schiefertonen eingenommen. Die nördlichen und westlichen Gebiete
des Ost- und Südalpins beinhalten Buntsandstein oder weiße Sandsteine bzw. Quarzite. Im
Anis wurde dann das gesamte Gebiet marin. Es entwickelte sich eine typische
Karbonatplattform mit Riffen. Im mittleren Trias treten als Kennzeichen des Aufbrechens
von Pangäa in den Südalpen basische Vulkanite auf, die gelegentlich auch im Ostalpin
auftreten.
Im Jura zerbrach die Karbonatplattform aufgrund des Aufreißens des südpenninischen
Ozeans und es bildeten sich rasch absinkenden Schollen. Im höheren Jura und in der
Unterkreide expandierte der südpenninische Ozean soweit, daß sich selbst noch im Ost-
und Südalpin pelagische Sedimente ausbildeten, zunächst Radiolarite, dann
Aptychenschichten, Foraminiferenmergel und -kalke. In der Kreide kam es zu einer
Umstellung der Plattenbewegung. Dies hatte zur Folge, daß sich Grobschüttungen wie z.B.
submarine Rutschungen (Olisthostrome) bildeten. Dies wurde erst beendet als sich
das altalpidische Orogen" heraushob.
In das altalpidische Orogen" brachen ab der mittleren Oberkreide Innenbecken
ein. Ihre Sedimentfüllung wird als Gosau" bezeichnet. Der Gosau hatte
ursprünglich Molassecharakter, durch die Vertiefung der Beckenzentren nahm die
Sedimentation z. T. flyschähnliche Züge an. In der weiteren Entwicklung wurde das
Ostalpin als Front der Adriatischen Platte weit hinausgehoben. In Oberkreide und
Alttertiär sank das Südalpin teilweise bis in die Tiefen der Flyschsedimentation ab.
Die Sedimente die im folgenden genannt werden beziehen sich im
speziellen auf unser Exkursionsgebiet das Val die Concei.
Die Basis besteht aus Kristallin, das als Insubrisches Grundgebirge bezeichnet wird. Der
Kristallinsockel tritt nur an den westlichen Südalpen zutage und besteht aus Gneisen,
Glimmerschiefern und Phylliten. Er wird dort von der Wurzelzone der penninischen Decken
durch eine gewaltige Störungszone geschnitten, der Tonale-Linie welche eine Fortstezung
der Periadriatischen Naht darstellt. Das Kristallin weist z. T. komplizierte
Schlingenstrukturen auf, was darauf hindeutet, daß die Variszische Tektogenese bereits
vorvariszisch gefaltete Serien neu überprägt hat. Durch die Transgression im Mesozoikum
wurde der Sockel überflutet, was die Bildung von Riffgesteinen zur Folge hatte. Diese
verkarsteten während der Regression im Ladin/Karn.
Im Nor kehrten dickbankige Kalke und Dolomite wieder. Das älteste im Valle di Concei zu
findende Gestein ist der im Nor entstandene Hauptdolomit (Dolomia Principale).
Er ist ein Schlammkalk, der aus früh dolomitisiertem Calcit und aus primärem Dolomit
besteht. Die jüngsten Teile des Hauptdolomits sind eine Wechsellagerung aus Kalken /
Stinkkalken und Dolomit / Stinkdolomit. Sie sind oft kalkig, haben einen hohen
Bitumengehalt und heißen Calcare di Zu. Eine weitere aus dem Rhät
stammende Dolomitfazies ist der Dolomia superiore. Er ist grobkörnig und
tritt in Schroofen auf.
Der Lias beginnt mit Kriniodenkalken, die in dezimeter-mächtigen Platten vorkommen,
deshalb auch Lias-Plattenkalk genannt. Als Medolo bezeichnet
man den Fleckenkalk. Er trägt seinen Namen auf Grund der Fraßspuren, die als Flecken
oder Bänder im Gestein zu sehen sind (Bioturbation). In den Lias-Kalken sind
gelegentlich auch die Auswirkungen synsedimentärer Rutschungen slumping
structures" zu sehen. Lias-Plattenkalk und Medolo wechseln sich oft mit
Fossilschuttbänken, dünnplattigem Mergel und schwarzen Hornsteinlagen ab.
Die Hornsteine enthalten in ihrer kieseligen Grundmasse diagenetisch umgewandelte
Radiolarien-Skelette. Die Kieselgesteine des Lias und des Unteren Doggers übernahmen
ihren Kieselgehalt von Kieselschwämmen, während vom Callovion an die Kieselsäure nur
noch von Radiolarien stammt. Radiolarite (Selcifero) wurden nach der
Absenkung des ostalpinen Troges abgelagert. Sie fallen durch ihre rote, tiefgrüne und
schwarze Farbe ihrer Hornsteinlagen auf.
Den Radiolariten folgen dann etwa 20 bis 30 Meter mächtige rote Knollenkalke, der Ammonitico
rosso. Seinen Namen trägt er aufgrund der zahlreichen Reste von Ammoniten, die in
ihm zu finden sind. Im Malm wurde der rein pelagische Kalk Majolica abgelagert.
Er ist dick gebankt, hell und porzellanartig. In der Oberkreide folgen die roten, grünen
und grauen Foraminiferenkalke und - mergel. Sie werden als
Scaglia bezeichnet. Im Valle di Concei fanden wir rote - die Scaglia Rossa
- und grün-rote - Scaglia Variegata - Foraminiferenkalke und
-mergel.
Die verschiedenen Farben lassen auf ein unterschiedliches Sauerstoffvorkommen im Meer
schließen. Erst bei sauerstoffreichen Gewässern oxidiert das zweiwertige Eisen (grün)
zu dreiwertigem Eisen (rot). Die Scaglia-Sedimentation hielt bis zur Wende Paläozän /
Eozän an. Dann folgt ein ca. 600 m mächtiger Stapel von Flysch. Die
Ablagerung endete im Eozän.