1 Die Alpen


1.1 Bildung und Stratigraphie der Alpen

Die Alpen werden in vier Faziesbereiche unterteilt: Helvetikum, Penninikum, Ostalpin und Südalpin. Nach Abschluß der Orogenese entstand ein weiterer Faziesbereich auf dem nördlichen und südlichen Kontinentalrand, das tertiäre Molassebecken.
Die vier Faziesbereiche haben jeweils typische Kennzeichen welche sie von den anderen unterscheiden. Das Helvetikum, das Penninikum und das Ostalpin weisen starke Deckentransporte nach Norden auf, während das Südalpin verschuppt und gefaltet ist. Die Grenze zwischen dem Südalpin und den anderen Faziesbereichen stellt die Periadriatische Naht dar, welche die längste Verwerfung der Alpen darstellt. Bei Punkt 2 gehen wir genauer auf die verschiedenen Fazies ein.
Die Alpen wurden gebildet als sich die Adriatische Platte über die Eurasische Platte schob. Das Ost- und Südalpin bilden den ehemaligen Kontinentalrand der Adriatischen Platte, Helvetikum und Penninikum das eurasische Gegenstück.
Nach Aufreißen des südpenninischen Ozeans im Jura werden das Ost- und das Südalpin zum passiven Kontinentalrand der Adriatischen Platte. In der Unterkreide wird dieser zu einem aktiven Kontinentalrand und es kommt zur ersten Subduktion des südpenninischen Ozean. Dies hat erste orogene Geschehnisse zur Folge. In der Oberkreide kollidieren Adriatische Platte und außen vorgelagerte Teile der Eurasischen Platte. Dies wird als vorgosauische Deckenbewegung im Ostalpin bezeichnet (altalpididsche Orogenese).
Zwischen höherer Kreide und mittlerem Eozän kommt es zu einem Stillstand der Orogenese. Ab dem oberen Eozän überfahren dann das Ost- und Südalpin die Eurasische Platte (jungalpidische Orogenese).

 

1.2 Das Helvetikum

Im Trias befand sich der Helvetische Raum noch innerhalb des Großkontinents Pangäa und weist deshalb germanische Fazies auf. Im Obertrias treten basaltische Magmatite auf (Dauphiné-Zone), welche auf den beginnenden Zerfall Pangäas zurückzuführen sind.
Im Jura wirkte sich der penninische Ozean auf die südlichen Bereiche des Helvetikums aus. Die nördlichen Bereiche blieben davon unangetastet. Dementsprechend finden sich in Jura und Kreide lückenhafte neritische weiter nördlich vollständigere bathyale Schichtfolgen.
Für die Mittelkreide sind im Norden glaukonitführende, dunkle und kalkig-sandige Sedimente kennzeichnend. In der Oberkreide herrschen pelagische und mergelige Sedimente, die während der Transgression abgelagert wurden. Währen der Regression wurden sie dann zum Teil wieder abgetragen. Im Eozän kam es zu einer erneuten Transgression, welche zum Teil Flyschbildung zur Folge hatte, die im Unteroligozän endete, als die Deckenbewegung in diesem Raum einsetzte.

 

1.3 Das Penninikum

Das Penninikum baut hauptsächlich die inneren Bereiche der Westalpen auf. In den Ostalpen erscheint es in tektonischen Fenstern unter den ostalpinen Decken. Es wird unterteilt in Süd-, Mittel-, Nord- und Tiefpenninikum.
Im Südpenninikum finden sich Reste des südpenninischen Ozeans, das Mittelpenninikum stellt eine kontinentale Hochzone dar und das Nordpenninikum einen tieferen Sedimentationsraum. Im Trias reichte der Einfluß der Tethys bis an das Mittelpenninikum. Folglich gibt es dort eine ähnliche Fazies wie in den Ostalpen. Das Nordpenninikum weist germanische Trias auf.
Im Jura und der Unterkreide kam es in den neuentstandenen nord- und südpenninischen Tiefen zur Ablagerung von einförmigem, kalkigem, pelitischem „Bünder Schiefer", während der Transgression im Südpenninikum auch von Radiolariten. Das Mittelpenninikum weist für diese Zeit submarine Brekkzien auf. In der Oberkreide sank das Mittelpenninikum zu einer Tiefseeschwelle ab, in der sich rote Foraminiferenmergel und -kalke ablagerten, welche ab dem Paläozän von Flysch überdeckt werden. Der Flysch setzte in den anderen Gebieten als Folge von Subduktion schon während der mittleren Kreide ein. Die Sedimentation des Flysch hörte auf, als die ostalpinen Decken des Penninikums im Eozän vollends überschoben waren.

 

1.4 Das Ost- und Südalpin

In der Trias (Skyth) wurden Teile des Ostalpins von marin beeinflußten bunten Sandsteinen und Schiefertonen eingenommen. Die nördlichen und westlichen Gebiete des Ost- und Südalpins beinhalten Buntsandstein oder weiße Sandsteine bzw. Quarzite. Im Anis wurde dann das gesamte Gebiet marin. Es entwickelte sich eine typische Karbonatplattform mit Riffen. Im mittleren Trias treten als Kennzeichen des Aufbrechens von Pangäa in den Südalpen basische Vulkanite auf, die gelegentlich auch im Ostalpin auftreten.
Im Jura zerbrach die Karbonatplattform aufgrund des Aufreißens des südpenninischen Ozeans und es bildeten sich rasch absinkenden Schollen. Im höheren Jura und in der Unterkreide expandierte der südpenninische Ozean soweit, daß sich selbst noch im Ost- und Südalpin pelagische Sedimente ausbildeten, zunächst Radiolarite, dann Aptychenschichten, Foraminiferenmergel und -kalke. In der Kreide kam es zu einer Umstellung der Plattenbewegung. Dies hatte zur Folge, daß sich Grobschüttungen wie z.B. submarine Rutschungen (Olisthostrome) bildeten. Dies wurde erst beendet als sich das „altalpidische Orogen" heraushob.
In das „altalpidische Orogen" brachen ab der mittleren Oberkreide Innenbecken ein. Ihre Sedimentfüllung wird als „Gosau" bezeichnet. Der Gosau hatte ursprünglich Molassecharakter, durch die Vertiefung der Beckenzentren nahm die Sedimentation z. T. flyschähnliche Züge an. In der weiteren Entwicklung wurde das Ostalpin als Front der Adriatischen Platte weit hinausgehoben. In Oberkreide und Alttertiär sank das Südalpin teilweise bis in die Tiefen der Flyschsedimentation ab.

 

1.5 Die Sedimentäre Abfolge im Südalpin

Die Sedimente die im folgenden genannt werden beziehen sich im speziellen auf unser Exkursionsgebiet das Val die Concei.
Die Basis besteht aus Kristallin, das als Insubrisches Grundgebirge bezeichnet wird. Der Kristallinsockel tritt nur an den westlichen Südalpen zutage und besteht aus Gneisen, Glimmerschiefern und Phylliten. Er wird dort von der Wurzelzone der penninischen Decken durch eine gewaltige Störungszone geschnitten, der Tonale-Linie welche eine Fortstezung der Periadriatischen Naht darstellt. Das Kristallin weist z. T. komplizierte Schlingenstrukturen auf, was darauf hindeutet, daß die Variszische Tektogenese bereits vorvariszisch gefaltete Serien neu überprägt hat. Durch die Transgression im Mesozoikum wurde der Sockel überflutet, was die Bildung von Riffgesteinen zur Folge hatte. Diese verkarsteten während der Regression im Ladin/Karn.
Im Nor kehrten dickbankige Kalke und Dolomite wieder. Das älteste im Valle di Concei zu findende Gestein ist der im Nor entstandene Hauptdolomit (Dolomia Principale). Er ist ein Schlammkalk, der aus früh dolomitisiertem Calcit und aus primärem Dolomit besteht. Die jüngsten Teile des Hauptdolomits sind eine Wechsellagerung aus Kalken / Stinkkalken und Dolomit / Stinkdolomit. Sie sind oft kalkig, haben einen hohen Bitumengehalt und heißen Calcare di Zu. Eine weitere aus dem Rhät stammende Dolomitfazies ist der Dolomia superiore. Er ist grobkörnig und tritt in Schroofen auf.
Der Lias beginnt mit Kriniodenkalken, die in dezimeter-mächtigen Platten vorkommen, deshalb auch Lias-Plattenkalk genannt. Als Medolo bezeichnet man den Fleckenkalk. Er trägt seinen Namen auf Grund der Fraßspuren, die als Flecken oder Bänder im Gestein zu sehen sind (Bioturbation). In den Lias-Kalken sind gelegentlich auch die Auswirkungen synsedimentärer Rutschungen „slumping structures" zu sehen. Lias-Plattenkalk und Medolo wechseln sich oft mit Fossilschuttbänken, dünnplattigem Mergel und schwarzen Hornsteinlagen ab.
Die Hornsteine enthalten in ihrer kieseligen Grundmasse diagenetisch umgewandelte Radiolarien-Skelette. Die Kieselgesteine des Lias und des Unteren Doggers übernahmen ihren Kieselgehalt von Kieselschwämmen, während vom Callovion an die Kieselsäure nur noch von Radiolarien stammt. Radiolarite (Selcifero) wurden nach der Absenkung des ostalpinen Troges abgelagert. Sie fallen durch ihre rote, tiefgrüne und schwarze Farbe ihrer Hornsteinlagen auf.
Den Radiolariten folgen dann etwa 20 bis 30 Meter mächtige rote Knollenkalke, der Ammonitico rosso. Seinen Namen trägt er aufgrund der zahlreichen Reste von Ammoniten, die in ihm zu finden sind. Im Malm wurde der rein pelagische Kalk Majolica abgelagert. Er ist dick gebankt, hell und porzellanartig. In der Oberkreide folgen die roten, grünen und grauen Foraminiferenkalke und - mergel. Sie werden als Scaglia bezeichnet. Im Valle di Concei fanden wir rote - die Scaglia Rossa - und grün-rote - Scaglia Variegata - Foraminiferenkalke und -mergel.
Die verschiedenen Farben lassen auf ein unterschiedliches Sauerstoffvorkommen im Meer schließen. Erst bei sauerstoffreichen Gewässern oxidiert das zweiwertige Eisen (grün) zu dreiwertigem Eisen (rot). Die Scaglia-Sedimentation hielt bis zur Wende Paläozän / Eozän an. Dann folgt ein ca. 600 m mächtiger Stapel von Flysch. Die Ablagerung endete im Eozän.

 

1 Die Alpen 2 Gesteinseinheiten 3 Profile 4 Bussolenzug 5 Geologische Kartierung