5 Geologische Kartierung


Das Kartiergebiet liegt im Westen des Valle di Concei und kann durch den Verlauf zweier Täler gut eingegrenzt werden.
Die Abgrenzung nach Nordost entspricht der Lage des Valle Lumar und zieht sich über die Baita Lumar zum Gipfel der Roccia Campei. Von dort zieht die Begrenzung nach Südwest , entlang des Gipfelgrates über La Roda Richtung Monte Cadria. Die Begrenzung nach Südwest entspricht etwa dem Verlauf des Val di Sadri. Die östliche Abgrenzung folgt der Hauptverkehrsstraße von Ponte dei Carri bis zum Rifugio al Faggio.
Da das Kartiergebiet aufgrund der begrenzten Zeit und der teilweisen Unzugänglichkeit nicht komplett begangen werden konnte, wurden vier Touren ausgewählt, die bei Zusammenfügung und logischer Ergänzung die gesamte geologische Bandbreite des Kartiergebietes ergaben.
Im Folgenden sollen diese Wegverläufe beschrieben werden.

 

5.1 Rifugio al Faggio – Valle Lumar

Die Strecke beginnt auf ca. 960 m am Rifugio al Faggio. Der Weg führt hinter dem Haus über eine Wiese. Entlang des Waldweges sind noch keine Hinweise auf den geologischen Untergrund zu erkennen, da der Boden von Hangschutt bedeckt ist. Nur an wenigen Stellen treten Felsbrüche hervor. Der hier anstehende Medolo hat Streich- und Fallwerte von 50° / 60° NW.
Auf einer Höhe von 1060 m erstreckt sich ein Aufschluß, der am Nachmittag des zweiten Tages als Spezialprofil kartiert wird.
Es findet sich zunächst eine Wechsellagerung von Kalken, Hornsteinen und Mergeln (KMH). Die Verwitterungsfarbe ist gelb, die Eigenfarbe erweist sich jedoch als grau. Die Korngröße der Kalklagen ist sehr fein (mikritisch). Den Hornsteinanteil schätzen wir auf ca. 20%. Die leicht verwitterbaren Tonsteine (Mergel) erscheinen sehr spröde. Das Streichen und Fallen schwankt leicht und beträgt ungefähr 25° / 40° NW.
Nach ca. 115 m schließt sich Hangschutt an, der nach 50 m wieder von Kalklagen mit dünnen Mergelbändern abgelöst wird. Das Streichen und Fallen der Kalke liegt wiederum bei 20 / 40 NW. Vereinzelt sind Hornsteinlinsen zu finden. Nach weiteren 60 m sind mega slumps zu finden. Darunter versteht man kleine Falten im Sediment am Meeresboden, die bei Gefälle durch Rutschungen entstanden. Die slumping structures werden abgelöst von einer KMH-Folge, die ein Streichen und Fallen von 35° / 55° NW aufweist. Die Kalke erscheinen als dicke Bänke, die Mergelbänder sind nur sehr schmal ausgebildet.
Nach weiteren 30m beginnt eine Fossilschuttbank, die sich 30 Meter nach oben zieht. Die Streich- und Fallwerte liegen bei 20° / 45° NW. Ab 1130 m ist wieder eine KMH-Abfolge zu finden. Die Streich- und Fallwerte ändern nun die Richtung und liegen bei 40° / 45° SE. Der Wechsel der Fallrichtung von NW auf SE deutet darauf hin, daß sich auf diesen Höhenmetern ein Muldenkern befinden muß. Laut Stratigraphie müssen jetzt ältere Gesteine folgen, was sich mit dem anstehenden Medolo auf ca. 1185 m auch bestätigt.
Von 1150 m bis 1185 m zieht sich eine Fossilschuttbank mit Werten von 40° / 55° SE. Auf 1185 m findet sich Medolo mit Streich- und Fallwerten von 50° / 85° SE. Von 1240 m bis 1250 m erstreckt sich noch eine Fossilschuttbank, die ein Streichen und Fallen von 50° / 80° SE aufweist. Darauf schließt sich weiter Medolo an. Die Werte des Streichens und Fallens liegen bei 20° / 80° SE. Auf 1400 m Höhe wird das Anstehende von Hangschutt unterbrochen, der für acht Höhenmeter die Aufschlüsse verdeckt. Danach findet sich wieder Medolo mit einem Streichen und Fallen von 60° / 30° SE. Die Werte ändern sich mit zunehmender Höhe auf 55° / 60° SE.
Von 1480 m bis 1505 m steht Lias-Plattenkalk an, mit einem Streichen und Fallen von 20° / 30° SE. Auf den letzten 90 Höhenmetern bis zum Sattel (1598 m NN) nahe der Malga Gui ist Dolomit (Dolomia Superiore) zu finden.

 

5.2 Midela – La Roda – Monte Cadria

Der Pfad führt uns durch steiles Gelände bergauf, entlang des kleinen Grates zur La Roda. Da der Untergrund bewachsen ist, findet sich kein Hinweis auf die Geologie. Erst auf 1600 m Höhe ragen Dolomittürme empor. Das Streichen und Fallen des Dolomia Superiore ist aufgrund der starken Verwitterung nicht feststellbar. Die Verwitterungsfarbe des Dolomit ist grau-schwarz, die Eigenfarbe hellgrau bis weiß.
Auf Höhe von 1720 m finden sich im Dolomit auch Hornsteine, was uns auf eine Dolomit-Hornstein-Brekzie schließen läßt.
Die zweite Route stellt nach Nordwesten hin den direkten Anschluß an die vorangegangene dar. Da die Steine, nicht wie erwartet älter sondern jünger werden, läßt sich eine Störungslinie zwischen dem am Vortag entdeckten Lias Plattenkalk auf 1505 m und dem Dolomia Superiore am Grat in die Karte konstruieren.
Bei 1885 m finden sich dunkelgrau verwitterte Kalke und Hornsteine mit einem Streichen und Fallen von 60° / 25° NW. Die Eigenfarbe zeigt sich nach Abschlag hellgrau, fast weiß.
Nachdem wir den Gipfelgrat erreicht haben führt unser Weg nun über die alten Militäranlagen zum Gipfel der La Roda. Auf 1960 m Höhe findet sich zwei schmale Bänder Selcifero und Ammonitico Rosso (35° / 62° NW). Die Mächtigkeit liegt im Dezimeter Bereich. Ihnen folgt Maiolica, der mit schmalen Hornsteinbändern durchzogen ist. Das Streichen und Fallen beträgt hier 35° / 70° NW. Am Gipfel der La Roda liegen die Werte bei 60° / 72° NW.
Unser Weg führt weiter Richtung Monte Cadria. Auf der Höhe von 2035 m findet sich Selcifero (25° / 48° NW), der wenige Meter weiter von Ammonitico Rosso abgelöst wird. Auf der Höhe von 1070 m tritt ein Aufschluß zutage. Ammonitico Rosso, Selcifero und Maiolica treten in kurz hintereinander auf. Die Mächtigkeit der einzelnen Schichten beträgt jeweils nur wenige Meter. Streichen und Fallen beträgt ungefähr 40° / 50° NW.
Da die Abfolge von Ammonitico Rosso, Selcifero und Maiolica hier weiter nach Westen verschoben ist, als beim Aufstieg zur Laroda, kann man auch hier eine kleine, west-ost verlaufende, Störungslinie vermuten.
Der Weg führt weiter nach Süden. Noch bevor wir den Gipfel des Monte Cadria erreichen steigen wir auf einem Pfad durch eine Rinne ab. Aufgrund des Bewuchses ist zunächst keine Auskunft über den Untergrund zu erhalten. Oberhalb der Baita Sadri findet sich wieder Dolomia Superiore mit Streich- und Fallwerten von 60° / 25° NW.

 

5.3 Valle di Sadri – Baita Sadri

Von der Verkehrsstraße führt der Weg in den Wald hinein über einen mächtigen Schwemmkegel.
Auf den ersten Metern (900 m) des Hanges findet sich Medolo, der aber meist von Hangschutt bedeckt ist. Die Verwitterungsfarbe ist hellgrau, die Struktur mikritisch. Zum Teil finden sich auch dünne Mergelschichten und Hornstein. Die Streich- und Fallwerte betragen 30° / 45° NW. Auf 930 m liegen entlang des Hangfußes zahlreiche Lesesteine, die stark verwittert und von spiritischer Struktur sind. Sie lassen sich großteils als Fossilschutt klassifizieren. Bei 965 m lassen sich Kalk-Mergel-Hornstein Schichten feststellen. Das Anstehende hat Streichen und Fallen von 30° / 50° NW.
Der Weg führt steil hinauf ins Valle di Sadri. Das Anstehende ist zum großteil von Hangschutt bedeckt. Bei 1020 m ist ein Übergang zu Selcifero Schichten zu entdecken. Die Verwitterungsfarbe ist rötlich bis braun, die Eigenfarbe allerdings grau. Im Hornstein lassen sich schmale Kalkbänder ausmachen. Streichen und Fallen liegen hier bei 45° / 60° NW. Der Selcifero zieht sich bis auf eine Höhe von 1115 m und geht dann über in eine Lage Ammonitico Rosso (30° / 80° NW). Bei 1135 m läßt sich Maiolica feststellen. Die grauen Kalke umschließen teilweise dunkle Hornsteinknollen. Das Streichen und Fallen beträgt 20° / 40° NW. Über Hangschutt hinweg geht es weiter steil nach oben. Die nächste Messung erfolgt auf 1250 m Höhe. Das Anstehende ist immer noch dem Maiolica (40° / 80° SE) zuzuordnen. Da sich die Fallrichtung nach SE ändert, muß sich auf den zurückgelegten Höhenmetern ein Muldenkern befinden.
Die nun zu erwartenden älteren Gesteine bestätigen sich bei 1265 m, wo der Maiolica in Ammonitico Rosso übergeht. Auf dem weiteren Weg deuten Lesesteine aus Hornstein auf den weiteren Untergrund hin. Bei ungefähr 1320 m ist Selcifero als Anstehendes zu finden. Streichen und Fallen beträgt 55° / 60° SE. Der Übergang zu KMH-Schichten ist schon nach zehn weiteren Höhenmetern zu entdecken. Die anstehenden mikritischen Kalke sind von dunkelgrauer Verwitterungsfarbe. Im Kalk befinden sich auch dunkle Hornsteinknollen (60° / 80° SE). Bei 1395 Höhenmetern führt der Pfad über Medolo als Anstehendes. Der Weg hat den Wald verlassen und zieht sich als Trampelpfad über Wiesen nach oben. Nur vereinzelt lassen sich kleine Brocken finden, die Lias Plattenkalk zuzuordnen sind. Streichen und Fallen beträgt unterhalb der Baita Sadri 50° / 44° NW. Das Einfallen nach Nordwest bestätigt den bereits vermuteten Verlauf einer Störunglinie zwischen Lias Plattenkalk und Dolomia Superiore.

 

5.4 Ponte dei Carri – Rifugio al Faggio

Die Strecke führt entlang der Straße vom Rifugio talabwärts. Ein großer Teil des Hanges ist von Schutt bedeckt, so daß die Frage nach dem Untergrund zunächst offen bleibt. Nach einigen hundert Metern Wegstrecke gelangt man, oberhalb der Straße gelegen, an einen kleinen Aufschluß. Das Material kann als Medolo eingeordnet werden. Die Verwitterungsfarbe ist hellgrau, die Eigenfarbe etwas dunkler. Die Struktur ist sehr feinkörnig, mikritisch. Das Streichen und Fallen beträgt 55° / 70° NW.
Im weiteren Verlauf bedeckt immer wieder Hangschutt die Flanken. An weiteren Aufschlüssen findet sich weiterhin Medolo. Teilweise ist Hornstein mit eingeschlossen, auch dünne Mergelbänder treten auf. Mit zunehmender Nähe zur Ponte dei Carri weitet sich das Tal und man befindet sich auf dem Schwemmfächer, der das Val di Sadri verläßt.
Der Weg zurück zum Rifugio verläuft durch das Bachbett talaufwärts. Man befindet sich auf dem Schwemmfächer der verschiedenen Bachläufe im Talschluß.
Durch Verknüpfung und Konstruktion der verschiedenen aufgefundenen Flächen ergibt sich nun die Gesamtkarte des Kartiergebietes. Es gleicht einer geologischen Mulde, mit nach innen jünger werdenden Schichten. Am nordwestlichen Muldenrand verläuft eine, das gesamte Gebiet durchlaufende, Störungslinie. Während die Schichten, der Muldenstruktur entsprechend, nach außen hin älter werden, sorgt die Störung für eine Umkehrung. Mit zunehmender Entfernung von der Störung nach Nordwesten, werden die Gesteinsschichten jünger.

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