3 Profile


3.1 Profil „Valle Lumar"

3.1.1 Gesteinsbeschreibung der Abfolge Kalkstein, Mergel, Hornstein

a) Kalkstein:

mikritische Matrix

Eigenfarbe hellgrau

Verwitterungsfarbe beige à es sind Tonminerale vorhanden

muscheliger Bruch

z. T. ellipsoide Flecken (Durchmesser 2 mm bis 6 mm) à metamorphe Überprägung bituminösen Materials

ritzt den Hammer à Quarz ist enthalten

Ammonitenfund à Lias / Dogger

b) Mergel:

mikritische Matrix

Bruchfarbe hellgrau

Verwitterungsfarbe beige à Tonminerale

HCL-Probe: kalkiger Mergel

dunkle Flecken (7 mm bis 8 mm) à Bioturbation

ritzt den Hammer à Quarz enthalten

Wechsellagerung mit Kalkstein: periodische Temperaturschwankungen

c) Hornstein:

Kieselige Grundmasse (ritzt den Hammer)

Bruchfarbe rot-braun

Verwitterungsfarbe s     chwarz

Calcitlinsen

Entstanden aus Kieselschwämmen à nur geringe Mächtigkeit, nicht flächig

3.1.2 Formationsbeschreibung

im gesamten Profil Wechsellagerung von Kalkstein, Mergel und Hornstein

Generalstreichen 20°-30°/40° W

Schieferung beim Mergel steiler als sedimentäre Schichtung à normale Lagerung

Ammonitenfund: Lias / Dogger

a) bis Grenze 1:

große Mächtigkeiten von Mergel und Kalkstein (10 cm bis 50 cm)

linsenförmige Hornsteine (Hornsteinschwämme)

Verfaltungen innerhalb der Hornsteinlagen: syn- bis episedimentäre Rutschungen

b) bis Grenze 2:

starke Verwitterung des Mergels

Hangschutt mit geringer Mächtigkeit

Kalkstein, stark fleckig

c) bis Grenze 3:

Abnahme der Mächtigkeit des Mergels von Ost nach West

d) bis Grenze 4:

massige Kalkschlammrutschungen mit Mergel, aber stark verquetscht und nicht mehr sichtbar (slumping structures, mega-slumps)

in regelmäßiger Abfolge auftretende Störungen

danach befindet sich die Schichtung wieder im Generalstreichen und –fallen

e) bis zum Ende des Aufschlusses

Fossilschutt

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3.2 Profil "Malga Giu"

Das hier aufgenommene und beschriebene Profil beginnt nördlich des Rifugio auf einer Höhe von 1140 Meter. An einer mehrere Meter hohen Felswand lassen sich die Schichten mit 45° / 50° NW einmessen. Ebenso wie im Valle Lumar findet man auch hier die Folge von mikritischem Kalk (mudstone), Mergel, Hornstein. Einige Meter weiter bergauf stößt man auf einen kleinen Teil sparitischen Kalk (grain supported Matrix). Dieser Kalk läßt sich als Fossilschuttkalk bestimmen (Rudstone). In 1160 Meter wird das Anstehende durch ein ungefähr acht Meter langes Schuttfeld überdeckt, darin findet man wiederum Schuttkalk, der also auch weiter oben vorhanden sein muß. Diese Mischung von KMH und Fossilschuttkalk findet man durchgehend bis zu einer Höhe von etwa 1250 Meter. Unterschiede findet man hier nur in der Härte des Gesteins, die Mergelschichten sind teilweise besonders hart, oder besonders spröde.
Von Beginn an beobachtet man ein immer flacheres Einfallen der Gesteinsschichten nach Nord-West, das ab cirka 1180 Meter Höhe dann in ein steiler werdendes Einfallen nach Süd-Ost übergeht. Hier durchläuft man also eine Mulde. Die Streichrichtung variiert in diesem Abschnitt zwischen 0° und 45°.
Auf einer Höhe von 1180 Meter findet man rechter Hand eine Störung. Auf der linken Seite des Baches befindet sich augenscheinlich ebenso Kalk, Mergel und Hornstein in starker Bankung.
In etwa 1190 Meter tritt links und rechts vom Bach eine Falte auf, ebenso nochmals 20 Meter weiter oben. Man geht nun vorerst weiter aufwärts zum älteren Gestein. In 1250 Meter Höhe findet man wieder eine Fossilschuttbank. Streichen und Fallen betragen nun 90° / 40° S. Zehn Meter höher ist wieder eine leichte Falte zu sehen, eigentlich nur eine kleine ‘Welle’ im Gestein.
Der Weg macht eine Biegung nach Westen, überquert mit einer kleinen Brücke den Bach und folgt den Höhenlinien nun ein Stück weit. Die Schichtung weist hier einen Wert von 70° / 50° S auf.
In 1280 Meter Höhe kann man KMH- und Fossilschuttkalkschichten noch einmal mit 65° / 25° S messen, kurz darauf wird das anstehende Gestein von Hangschutt bedeckt. 50 Meter höher führt der Weg wieder über Anstehendes - Gesteinsart, Streichen und Fallen sind gleich. Es folgt wieder Hangschutt und man findet anstehende Schichten erst wieder in 1370 Meter Höhe.
Hier handelt es nun nicht mehr um KMH sondern um mikritischen Lias-Plattenkalk. Mit Werten von 60° / 85° N. Die Schichten stehen hier also überkippt an, oder man hat bereits wieder einen Sattel überschritten. Von hier an bergauf führt der Weg bis zur verfallenen Hütte der Malga Giu nur noch über die Wiese mit vereinzeltem Strauchbewuchs.

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3.3 Profil an der Zufahrtsstraße zur Bocca di Trat

Das Profil beginnt an einer Spitzkehre der Zufahrtsstraße zur Bocca di Trat auf einer Höhe von 1135 Meter. Der Profilweg folgt der Straße etwa 900 Meter bergauf und zweigt dann in einen Forstweg ab. Von dort an führt der Weg leicht bergab bis an die Moräne eines lokalen Minigletschers.
Zu Beginn findet man hellgrauen bis leicht gelblichen Dolomia Principale. Bei genauerem Hinsehen erkennt man eine Bankung von 1 bis 1,5 Meter Mächtigkeit. Streichen und Fallen weisen Werte um 45° / 60° N auf. Das Gestein stinkt teilweise, ist scharfkantig, ritzt aber nicht und zeigt teil kieselige Klüfte. Man erkennt synsedimentär entstandene Strukturen - sowohl runde wie auch eckige Einschlüsse (Intraklasten) und Fossilinhalte wie Würmer, Schnecken und Stromatolithe (Algenrasen mit einer gelben Verwitterungsfarbe à Kalkalgen). Es handelt sich hier also um frühdiagenetischen Hauptdolomit, der in Wassertiefen von 10 cm bis 20 m entstand. Hier ist kein Austausch der Porenlösung mit dem Meerwasser mehr möglich gewesen. Halbverfestigtes Kalkschlamm-Sediment wird von magnesiumreichen Wasser durchdrungen und bei einem Magnesium-Calcium-Verhältnis von 10:1 bis 30:1 findet die Umkristallisation zu Dolomit statt, wobei die Strukturen mehr oder weniger gut erhalten bleiben.
Weiter Richtung Osten sieht man eine zunehmende Zerrüttung des Gesteins, was bereits auf die folgende Störung hinweist. Cirka 150 Meter des Anstehenden sind von Hangschutt bedeckt, danach steht hellgrauer Majolica an. Es fehlen hier also mehrer Folgen der Stratigraphie (siehe 2), also kann nur eine Störung mit sehr großem Versatz vorliegen.
Im Folgenden steht sehr stark verfalteter Majolica an. Deutlich erkennt man die Bankung von ca. 5 cm bis 50 cm und eine tektonische Falte. Bei dieser Faltenart wurde verfestigtes Gestein im Schichtpaket gefaltet. Aufgrund der dabei unausweichlichen Dehn- und Stauchvorgänge und resultierenden Brüche (sprödes Deformationsverhalten) des Gesteins bilden sich die sogenannten Fiederklüfte, die man wegen ihrer calcitreichen Füllung nun leicht als helle Fasern ausmacht. Unterstütz wurde die Faltung hier durch die vorhandenen Mergellagen, die ein verrutschen der einzelnen Schichten gegeneinander erleichtern.
Bei Falten im Gestein unterscheidet man Faltenachse, Faltenachsenfläche und Faltenschenkel. Die Achse verläuft längs des Faltenscheitels. Eine gedachte Fläche, in der die Faltenachsen sämtlicher in einer Falte verbogenen Schichten liegen, ist die Achsenfläche - im Idealfall ist sie eine Ebene. Der Winkel der beiden Schenkel einer Falte heißt Öffnungswinkel. In unserem Fall handelt es sich um eine vergente Falte, das heißt die Schichten fallen auf beiden Seiten der Falte unterschiedlich steil ein. Das läßt auch die geneigte Achsenfläche erkennen
Ab dem Beginn des Forstweges sieht man weitere Faltungen und rasche Gesteinswechsel zwischen Majolica, Selcifero, brekziertem Selcifero in Kalkmatrix und Selcifero. Die Brekzie ist teilweise gerundet, was auf eine Resedimentation des Selcifero nach einem Abgleiten in tiefere Bereiche des Majolica schließen läßt. Es handelt sich hier um einen Olisthostrom.
Am östlichen Ende des Profils findet man unsortiertes Lockergestein mit Korngrößen der Ton- bis Steinfraktion. Bei genauerem Hinsehen kann man auch gekritztes Geschiebe entdecken. Es handelt sich hier um den Rücken einer Moräne, was einige Verwunderung auslöst, da das Valle di Concei eigentlich als endemisches Tal gilt. Es handelt sich hier aber um einen kleinen lokalen Gletscher aus der letzten Eiszeit.

 

3.4 Profil "Malga Vies"

Das Profil beginnt auf 740 m Höhe an der Zufahrtsstraße von Bezecca. An den ersten Aufschlüssen bis auf gut 800 m Höhe findet man Ablagerungen aus dem Quartär, also ca. 1,8 Mio. Jahre altes Gestein. Es handelt sich um Konglomereat, das ursprünglich wohl von einem Wildbach hier abgelagert wurde. Die einzelnen Lagen sind größtenteils noch schlecht verfestigt.
Bei cirka 900 Höhenmeter schließt sich Aufschlüsse mit Corna an. Dies ist eine Wechsellagerung von Dolomit und mikritischem Kalk mit der typischen hell- bis dunkelgrauen Eigenfarbe. Die Bänke sind zwischen 30 und 50 cm stark. Stellenweise unterbrechen 10 bis 20 cm mächtige Zwischenlagen den Corna. Man geht nun eine Zeit lang im Streichen der Schichten, so daß vorerst kein Gesteinswechsel zu erkennen ist. Erst bei 995 m Höhe liegt die nächste Gesteinsgrenze.
Von hier bis etwa 150 m höher findet man Dolomia Superiore, den man hier gut an seiner sandigen Oberfläche erkennt. Die großen Porenräume begünstigen dieses Gestein als Erdöllagerstätte.
Die nächste Gesteinsgrenze folgt bei 1150 m Höhe, man findet nun stinkenden, kalkigen Dolomit. Dieser bituminöse Dolokalk ist dunkelgrau verwittert, hat aber eine hellere Eigenfarbe.
Wenige Meter weiter folgt nun schon die nächste Grenze in der Gesteinsabfolge. Man findet von nun an bis auf 1400 m Höhe nur noch eine Dolomit-Hornstein-Brekzie, die sowohl aus gerundeten als auch aus eckigen Komponenten besteht.

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3.5 Profil "Malga Trat – Bocca di Trat"

Das Proil folgt dem Weg von der Malga Trat (Punkt A) vorbei an einem Stall und einer Berghütte kurz in Richtung Westen und dann nach einer Kehre (Punkt B) leicht bergauf weiter nach Nordost zum Schilderbaum auf der Bocca di Trat (Punkt C). Dort schließt sich ein kleines Teilstück nach Norden an.
Auf Höhe der Malga Trat finden sich bankige Hornsteinlagen die stark verwittert sind und eine schwarze bis braune Farbe haben. Ihnen folgt bis fast zur westlichen Kehre des Weges Hangschutt, der nur von sehr geringmächtigen Hornsteinlagen durchbrochen wird. Kurz vor der Kehre treffen wir noch auf gebankten Ammonitico Rosso. Dieser zieht sich ein gutes Stück um die Kehre herum, wobei das unterschiedliche Streichen vor und nach der Kehre eine Störung vermuten läßt, die dort durchschneidet.
Direkt folgt nun der Majolica der sich, von Hangschutt unterbrochen, auch nach einer kurzen Dolomitschicht sehr mächtig fortsetzt. Bis zur Bocca di Trat bleibt es dann wechselnd bei langen und kurzen Stücken von Majolica und Hangschutt.
Von der Bocca di Trat Richtung Norden erkennt man als erstes Dolomit, der gleich darauf wieder lange von Hangschutt überlagert ist und dabei immer wieder nur in kurzen Abschnitten ansteht. Kurz vor Ende des Profils, auf dem letzten flachen Wegstück folgt die vierte und letzte Gesteinseinheit, der Calcare di Zu, Dolomit dann wieder im Anschluß. Hier handelt es sich also scheinbar wieder um eine Störung.
Es ist zu anzumerken, daß der Hangschutt teilweise von sehr gering mächtigen, teilweise nur im Zentimeterbereich liegenden Anstehendem unterbrochen wurde, dies aber in dem Profil nicht gekenzeichnet wurde. Das Streichen in diesem Gebiet ist nicht einheitlich, sondern differenziert stark, was die Vermutung auf eine Störung noch bekräftig. Auch etliche bestehende Schichtlücken (kein Auftreten von Selcifero, Medolo) lassen eine Störung vermuten.

profil_malga_trat_-_bocca_di_trat.gif (26725 Byte)

 

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